Technik10.03.2026
Mit Sicherheit in die Motorradsaison starten
- GTÜ-Tipps für einen kleinen Technikcheck vor den ersten Kilometern
- Mit gegenseitiger Rücksicht fahren Motorrad- und Autofahrer entspannter
- Wann ist die nächste Hauptuntersuchung fällig?
Stuttgart. Als Frühlingsboten mischen sich erste Motorräder bereits in den Straßenverkehr. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH weiß zum einen um die Freude beim Fahren der Zweiräder – und macht sich zum anderen für Sicherheit stark: Die Prüforganisation gibt Tipps für die Vorbereitung der Zweiräder nach den Wintermonaten sowie Anregungen für den Umgang aller Verkehrsteilnehmer untereinander. Deutlicher Appell an alle: Nehmt gegenseitig Rücksicht.
Check vor dem Start: Schon vor dem ersten Anlassen der Maschine freuen sich viele Motorradfahrer auf die nächste Saison. Batterie anschließen und losbrausen? Etwas mehr Aufmerksamkeit fürs Bike empfiehlt die GTÜ vor den ersten Kilometern zugunsten von Sicherheit und Zuverlässigkeit. Das beginnt mit gründlichem Anschauen: Feuchtigkeit am Motorrad oder Flecken auf dem Garagenboden deuten auf undichte Stellen hin. Fehlen Kühlwasser, Motoröl oder gar Bremsflüssigkeit? Die frühe Suche nach der Ursache kann größere Schäden verhindern. Ist die Kette komplett trocken, sollte sie eingefettet werden.
Aktuelle HU? Nach dem ersten Aufsitzen sollten sich der Gasgriff rechts am Lenker leicht drehen und Kupplungs- sowie Bremshebel mit normalem Kraftaufwand bedienen lassen. Rasten die Gänge bei gezogener Kupplung leicht ein? Ein Blick aufs Nummernschild zeigt, ob die Frist zur Hauptuntersuchung (HU) bald endet oder bereits abgelaufen ist. Eine GTÜ-Prüfstelle ist im nahen Umkreis oder über die GTÜ-Website (www.gtue.de) einfach zu finden.
Reifenfragen: Besonders wichtig ist ein Blick auf die Reifen. Stimmt der Druck in den Pneus noch nach Monaten des Stillstands? Ist das Profil ausreichend? Der Gesetzgeber schreibt mindestens 1,6 Millimeter vor. Die GTÜ empfiehlt als Grenze vier Millimeter, damit das Motorrad bei starkem Regen oder der Fahrt durch Pfützen nicht aufschwimmt. Genügend Profil ist nur ein Kriterium. Sind Risse im Gummi erkennbar oder andere äußere Beschädigungen? UV-Strahlen und Witterung lassen die Pneus altern, ein Wechsel ist alle fünf bis sechs Jahre sinnvoll.
Bei Licht besehen: Wichtig für die Sicherheit des Motorradfahrers ist eine intakte Lichtanlage. Zündung einschalten, dann müssen auch Fern- und Bremslicht sowie die Blinker funktionieren. Kleiner Tipp: Ist der Scheinwerfer auf eine Wand gerichtet, lässt sich rasch erkennen, ob er zu hoch oder zu tief eingestellt ist.
Schutzkleidung: Handschuhe, eine Motorradjacke mit Rückenschutz und Protektoren sowie stabile Stiefel gehören zur Grundausstattung jedes Motorradfahrers. Besonders wichtig ist die Sichtbarkeit: Die GTÜ rät zu hellen Farben und zum Tragen einer Warnweste. Immer interessant: Gibt es neue Entwicklungen, etwa Fortschritte bei der Airbag-Technologie in Motorradjacken?
Gut geschützter Kopf: Seit 2023 müssen neue Motorradhelme die Norm ECE 22.06 erfüllen. Helme nach davor geltenden Normen müssen zwar nicht ausgetauscht werden, doch ein Wechsel lohnt sich: Die neueren Helme bieten einen besseren Schutz. Generell sollte der Helm fest sitzen ohne zu drücken und sich beim Kopfschütteln kaum bewegen. Integralhelme bieten den besten Schutz, Jet-Helme ein größeres Freiheitsgefühl.
Defensiv fahren: Die erste Ausfahrt findet am besten bei gutem Wetter auf trockenen Straßen statt. Mit den Kilometern kehrt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Gefühl fürs Motorrad zurück. Eine Annäherung an den Grenzbereich unter Aufsicht sowie viele weitere Sicherheitstipps bietet ein spezielles Sicherheitstraining.
Gegenseitiger Respekt: Motorradfahrer sollten zu ihrem eigenen Schutz stets defensiv fahren und mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen, selbst wenn sie im Recht sind. Aufgrund ihrer schmalen Silhouette werden sie – trotz Warnweste – von Autofahrern immer wieder übersehen. Gerade zu Saisonbeginn wird dazu die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt. Motorräder beschleunigen stark und befinden sich mitunter im toten Winkel. Deswegen müssen sich Autofahrer auch erst wieder an ihre Präsenz gewöhnen.
Lauernde Gefahren: Typische Gefahrensituationen entstehen beim Abbiegen, an Kreuzungen sowie beim Spurwechsel. Besonders kritisch ist das Linksabbiegen von Autofahrern. Auch beim Öffnen der Fahrzeugtür oder beim Wechseln auf die Autobahnspur kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die GTÜ empfiehlt Autofahrern daher, vor jedem Abbiegen und Spurwechsel bewusst zweimal hinzusehen und den Schulterblick konsequent durchzuführen. Zudem sollten Motorräder stets mit ausreichend Seitenabstand überholt werden. Kurven sollten Autofahrer keinesfalls schneiden, denn entgegenkommende Motorradfahrer können als Einspurfahrzeug nur mit hohem Risiko ausweichen.
