Technik16.04.2026
Das erste Mal zur Hauptuntersuchung – für mehr Sicherheit und weniger Emissionen
- Ob Fahranfänger oder erfahrener: Meist ist die HU nach 30 Minuten und einer Tasse Kaffee geschafft
- Vor dem Besuch der Prüfstelle ab besten selbst Beleuchtung und Reifen checken
- Mängelabstufung je nach Schwachstellen am Fahrzeug
Stuttgart. Für Fahranfänger ist vieles neu. Auch die erste Fahrt zur Hauptuntersuchung (HU) mit dem eigenen Auto. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH bietet sie flächendeckend an ihren Prüfstellen in Deutschland an. Es ist eine Pflichtuntersuchung: Dazu hat der Gesetzgeber sie erklärt, um den Straßenverkehr sicherer zu machen und einen hohen Umweltschutzstandard zu gewährleisten. Die Prüforganisation erklärt, wie die HU im ersten Anlauf und damit möglichst angenehm bestanden werden kann.
Ganz schön bequem: Die GTÜ macht die Hauptuntersuchung so angenehm wie möglich. Die flexible Terminwahl hilft enorm, und am Tag selbst fährt man einfach vor und gibt am Empfang Autoschlüssel und Zulassungsbescheinigung Teil I („Fahrzeugschein“) ab. Danach kann man es sich bei einer Tasse Kaffee bequem machen und in den ausgelegten Zeitschriften blättern. Nicht notwendig ist die Zulassungsbescheinigung Teil II („Fahrzeugbrief“). Nach Fahrkenntnissen fragt der Prüfer nicht – er nimmt ausschließlich einen Technik-Check des Autos vor.
Mancher erlaubt dem Kunden, in der Prüfhalle dabei zu sein – am besten einfach fragen. Und über ein gereinigtes Auto freut sich der Experte natürlich auch.
Die Basisfakten: Erster Schritt des Experten ist der Abgleich der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) am Chassis mit den Daten im Fahrzeugschein. Passen außerdem Kennzeichen und HU-Fristen zu allen vorliegenden Angaben?
Nicht zu spät: Der HU-Termin darf nicht deutlich überzogen sein. Wann die Untersuchung fällig ist, lässt sich von der Plakette auf dem hinteren Kennzeichen oder aus dem Vermerk im Fahrzeugschein ablesen. Die Plakette ist so aufgeklebt, dass der Fälligkeitsmonat oben steht, das Jahr ist in der Mitte zu finden. Ab zwei Monaten Verspätung ist eine erweiterte HU notwendig, und es fallen höhere Prüfkosten an.
Bremsanlage: Rund eine halbe Stunde vergeht, bis die GTÜ-Prüfingenieure den Wagen nach einem vorgeschriebenen Schema gründlich unter die Lupe genommen haben. Ein zentrales Ziel der Hauptuntersuchung ist die Verkehrssicherheit. Beispiel Bremsen: Sie müssen bei jedem Fahrzeug zuverlässig funktionieren. Die GTÜ-Profis ermitteln auf dem Rollenprüfstand die Bremswirkung jedes einzelnen Rades und ebenso die Bremsverteilung zwischen den Rädern und Achsen. Unfallgefahren lauern: Werden entsprechende Grenzwerte verfehlt, kann der Bremsweg bis zum Stillstand deutlich länger sein oder der Pkw ins Schleudern geraten. Geprüft wird ebenso der Zustand von Bremsscheiben und Bremsleitungen. Sämtliche Ergebnisse werden im Prüfbericht festgehalten und lassen sich leicht nachvollziehen.
Blick von unten: Ebenso im Dienst der Sicherheit ist der Check von Lenkung und Fahrwerk. Dazu kommt das Auto auf die Hebebühne und wird von unten betrachtet. Reagieren die Vorderräder direkt auf Lenkbewegungen? Oder etwas verzögert, also mit „Spiel“? Kontrolliert werden auch Spurstangen, Spurstangenköpfe, das Lenkgetriebe sowie Manschetten und Dichtungen. Bei älteren Fahrzeugen kann Korrosion die Funktion mancher Fahrwerkkomponenten beeinträchtigen.
Saubere Luft: Sind alle Abgasreinigungssysteme von Benzin- und Dieselmotoren optimal eingestellt und funktionieren einwandfrei, profitieren Umwelt, Luftqualität und die Gesundheit. Rauchfahnen aus dem Auspuff sind dank moderner Motoren mit Einspritzanlagen und auch Katalysatoren selten.
Ob sämtliche Einstellungen stimmen und das Fahrzeug die geltenden Emissionsgrenzwerte einhält, ermittelt die Abgasuntersuchung (AU) mit Hilfe von Diagnosegeräten. Sie ist fester Bestandteil der Hauptuntersuchung und erfolgt in vielen Fällen per Messsonde im Auspuff. Manche Fahrzeuge speichern ihre eigenen Grenzwerte mittels On-Board-Diagnose, deren Daten liest der Prüfingenieur über eine Steckverbindung aus und checkt so Motoreinstellungen, Katalysator und Partikelfilter auf Mängel.
Kommunikation: Die Hauptuntersuchung ist fertig? Manche interessiert nicht, wie der Prüfingenieur im Detail vorgeht. Andere dafür umso mehr. Aber gern: Viele GTÜ-Prüfingenieure erläutern bereitwillig das Prüfergebnis.
Einwandfreier Zustand: In den meisten Fällen lautet das Gesamturteil „ohne festgestellte Mängel“. Der Prüfingenieur übergibt den Wagen mit frischer Plakette auf dem hinteren Nummernschild zurück, und der Fahrzeugschein bekommt einen neuen Stempel. Der Kunde erhält den detaillierten Prüfbericht – und hat beim Losfahren das gute Gefühl, ein umfassend geprüftes Fahrzeug zu steuern.
Wenig nachbessern: Lautet das Fazit „geringe Mängel“, hat der Prüfingenieur kleinere Auffälligkeiten erkannt, die jedoch eine Verkehrssicherheit nicht unmittelbar gefährden. Das können verschlissene Scheibenwischerblätter sein oder eine leichte Ölfeuchtigkeit an Motor, Getriebe oder Hinterachse. Diese Fehler vermerkt er im Prüfbericht. Um bei diesen Beispielen zu bleiben: Sinnvoll ist es dann, die Scheibenwischblätter auszutauschen und darauf zu achten, ob irgendwann tatsächlich Ölflecken unter dem Fahrzeug auszumachen sind. Dann ist meist eine Reparatur sinnvoll, bevor es zu großen Schäden kommt.
Etwas mehr: Kein Beinbruch, aber doch ärgerlich ist das Urteil „erhebliche Mängel“ auf dem Prüfbericht. Dann sind Verkehrssicherheit oder Umweltverträglichkeit beeinträchtigt. Binnen vier Wochen müssen die aufgeführten Mängel beseitigt sein, dann darf das Auto für eine vereinfachte Nachuntersuchung zu geringeren Gebühren wieder zur Prüfstelle. Sonst beginnt alles von vorn mit einer kompletten Hauptuntersuchung.
Aussortiert: Nur selten kommt es zum Extremfall mit den Urteilen „gefährliche Mängel“ oder „verkehrsunsicher“. In diesem Fall darf das Fahrzeug bis zur Beseitigung der Mängel nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen.
So ein drastisches Urteil ist etwa möglich, wenn Bremsleitungen undicht sind oder ein Rad sich nicht mehr richtig befestigen lässt.
GTÜ-Tipps für den Vorab-Check: Sehr viele „erhebliche Mängel“ lassen sich über einfache Prüfungen vermeiden, die jeder selbst binnen 15 Minuten durchführen kann. Funktionieren alle Leuchten bis hin zu Rückfahrscheinwerfer und Warnblinkanlage? Vor einer Wand lässt sich in der Dämmerung oder in der Nacht rasch erkennen, ob ein Scheinwerfer korrekt nach vorn strahlt oder stark nach oben, unten oder zur Seite. Haben alle Reifen ausreichend Profil? Funktioniert die Hupe? Sind Warnweste, Warndreieck und Verbandkasten an Bord? Die GTÜ bietet Checklisten mit detaillierten Infos an, worauf Autofahrer selbst achten können. Hier der Link: https://www.gtue.de/de/gtue/publikationen/checklisten/fuer-pkw. Wer es bequemer wünscht, lässt eine Werkstatt den Vorab-Check erledigen. Unumgänglich ist die Fahrt zu den Profis, wenn Warnlampen dauerhaft leuchten, die beispielsweise auf Fehler von Antiblockiersystem, Kühlsystem oder Motor hindeuten.
Statistiken belegen die Bedeutung der HU: Die GTÜ führt Jahr für Jahr viele Millionen Hauptuntersuchungen durch. Die Daten zeigen, wie sinnvoll eine Hauptuntersuchung ist. Ein winziger Auszug: 2025 hat die GTÜ knapp zwei Millionen Fahrzeuge untersucht im Alter von bis zu zwölf Jahren und mit unterschiedlichen Antriebsarten. Mehr als 160.000 davon erhielten nach der Erstuntersuchung keine frische Plakette wegen „erheblicher Mängel“. 60.000 dieser Fahrzeuge wurde die Plakette verweigert wegen verschlissener Bremsbeläge und abgenutzter Bremsscheiben. Auch bei den geprüften Fahrzeugen mit rein elektrischem Antrieb (BEV) und Plug-in-Hybriden (PHEV) liegen schadhafte Bremsscheiben in der Mängelstatistik weit vorn.
Lieber vorher schauen: Unabhängig von der Antriebsart werden auch Reifen häufig moniert, meist wegen zu wenig Profil, einer Beschädigung oder weil sie nicht für das Fahrzeug zugelassen sind. Auffallend häufig notieren die GTÜ-Prüfer außerdem falsch eingestelltes Abblendlicht – ein „erheblicher Mangel“, der sich freilich vor der Fahrt zur Prüfstelle mit den passenden fachkundigen Handgriffen leicht vermeiden lässt.
