Technik28.01.2026
Gut zu wissen rund um die Autobahn: Tipps und Informationen der GTÜ für Fahranfänger
· Auch ohne Tempolimit ist die Richtgeschwindigkeit 130 km/h eine wichtige Marke · Zur Verkehrssicherheit auf Autobahnen kann jeder maßgeblich selbst beitragen · Das heutige Autobahnnetz geht auf eine Gründung in der Weimarer Republik zurück
Stuttgart. Respekt vor der Autobahn und keine Furcht – das ist die wichtigste Botschaft an Fahranfänger. Denn das höchstrangige Fernstraßennetz der Bundesrepublik ist nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher – die Zahlen des Statistischen Bundesamts nennen dort rund ein Zehntel (9 Prozent) der Verletzten bei registrierten Unfällen. Rund zwei Drittel aller Verletzten (65 Prozent wurden im Jahr 2024 bei Unfällen innerhalb von Städten und Dörfern verletzt und rund ein Viertel (26 Prozent) auf Landstraßen. Zur Sicherheit auf der Autobahn kann jeder Verkehrsteilnehmer maßgeblich beitragen – das gilt gerade auch für Fahranfänger, die noch Routine hinter dem Steuer entwickeln. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH hat wichtige Tipps und spannende Informationen rund um das Fahren auf der flotten Straße parat.
Kann ich auf der Autobahn wirklich so schnell fahren, wie ich will? Korrekt, in Deutschland gibt es kein generelles Tempolimit auf der Autobahn. Das ist aber kein Grund, den Tacho bis zum Anschlag auszureizen. Vielmehr sollen Verkehrsteilnehmer ihr Tempo verantwortungsbewusst wählen. Einen wichtigen Hinweis gibt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Sie wird seit 1978 in der „Verordnung über eine allgemeine Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen und ähnlichen Straßen“ geregelt. Die Richtgeschwindigkeit ist mehr als nur eine lockere Orientierung: Wer deutlich schneller fährt und in einen Unfall verwickelt wird, dem wird bei gerichtlichen Auseinandersetzungen meist eine Mitschuld von bis zu 20 Prozent zugeschrieben – selbst wenn er nicht den Unfall ausgelöst hat. Ohnehin ist die Höchstgeschwindigkeit auf vielen Autobahnabschnitten dauerhaft oder zeitweise begrenzt.
Ist Abstand halten tatsächlich so entscheidend? Auf jeden Fall. Denn zu dichtes Auffahren ist ein großer Risikofaktor für Unfälle. Der Grund dafür ist die Reaktionszeit für kritische Situationen bei hohem Tempo. Die einfache Faustregel für den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug lautet „halber Tacho in Metern“. Wer also beispielsweise 120 km/h schnell unterwegs ist, sollte 60 Meter Abstand einhalten. Beim Abschätzen hilft die Distanz zwischen den Markierungspfosten am Straßenrand – sie beträgt auf der Autobahn meist 50 Meter. Viele moderne Autos unterstützen mit einem Abstandsregeltempomat. Zwei weitere Vorteile: Man fährt deutlich entspannter und vermeidet Bußgelder für zu dichtes Auffahren.
Wie kommt man stressfrei auf die Autobahn? Am besten den Beschleunigungsstreifen ausnutzen, um die eigene Geschwindigkeit an den fließenden Verkehr anzugleichen und sich dann geschmeidig einzufädeln. Der Streifen ist üblicherweise 250 Meter lang. Immer daran denken: Der durchgehende Verkehr auf der Autobahn hat Vorfahrt. Also nicht einfach hineindrängen, sondern auf eine Situation warten, in der man ohne Gefährdung für andere Fahrzeuge und für sich selbst einscheren kann.
Darf ich rechts überholen? Grundsätzlich wird auf Autobahnen links überholt. Damit das möglich ist, gilt für den fließenden Verkehr ein Rechtsfahrgebot. In einigen Ausnahmefällen ist es jedoch tatsächlich erlaubt, rechts zu überholen. Das gilt für das oben beschriebene Einfädeln, wenn man dabei langsame Fahrzeuge passiert. Weitere Ausnahmen sind Stau und langsam fahrender, stockender Verkehr. In diesen Fällen darf vorsichtig und mit höchstens 20 km/h Differenzgeschwindigkeit überholt werden. Steht der Verkehr auf der linken Spur, kann man also mit maximal 20 km/h rechts überholen, bei einer Autoschlange im zähfließenden Verkehr unter 60 km/h mit maximal 80 km/h. Für Fahranfänger gilt hier ganz klar: Äußerst aufmerksam und vorsichtig fahren und Geduld haben.
Ist Blinken Pflicht? Oh ja – gerade bei hohen Geschwindigkeiten ist rechtzeitiges Blinken beim Spurwechsel unverzichtbar. Es macht Fahrmanöver für andere vorhersehbar und verhindert gefährliche Missverständnisse. Merke: Wer blinkt, kommuniziert – und trägt aktiv zur Sicherheit aller bei. Das heißt auch: Nicht nur einmal kurz den Blinker antippen. Stattdessen sorgen drei bis vier Blinkimpulse dafür, dass andere Verkehrsteilnehmer das Signal zuverlässig wahrnehmen.
Keine Panik bei Panne oder Unfall. Auch hier gilt: Wer weiß, wie man sich richtig verhält, reduziert das Risiko. Hat man selbst eine Panne oder einen Unfall: Warnblinker einschalten, das Fahrzeug möglichst auf dem Standstreifen abstellen, Warnweste überziehen (am besten liegt sie griffbereit in Fahrer- und Beifahrertür) und die Gefahrenstelle mit dem Warndreieck absichern. Hinter der Leitplanke geschützt den Hilfsdienst benachrichtigen und dort warten. Für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt: Bei Bedarf einen Notruf absetzen und Erste Hilfe leisten. Ganz wichtig: Schon bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse bilden, damit Einsatzfahrzeuge durchkommen. Dabei orientiert man sich als Merkhilfe an der gespreizten rechten Hand: Fahrzeuge auf der ganz linken Spur fahren nach links (Daumen), alle anderen nach rechts (Finger).
Wie funktioniert eine Autobahn? Diese Schnellstraßen haben grundsätzlich mindestens zwei Fahrspuren je Fahrtrichtung und keine höhengleichen Kreuzungen. Sie dürfen nur von Fahrzeugen mit einer Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h und mehr befahren werden. Die Höchstgeschwindigkeit ist nicht grundsätzlich limitiert. Das unterscheidet sie deutlich von anderen Straßen. Deshalb lernt man das nicht nur im Theorieunterricht der Fahrschule, sondern auch in der Praxis: Mindestens vier Autobahnfahrten sind während der Führerscheinvorbereitung vorgeschrieben.
Seit wann gibt es Autobahnen? Die Idee ist 100 Jahre alt. Am 6. November 1926 wurde der HaFraBa e.V. gegründet, der Verein zur Vorbereitung der Autostraße zwischen den Hansestädten, Frankfurt am Main und Basel. 1932 wurde das erste Teilstück eröffnet – zwischen Köln und Bonn. Später instrumentalisierte die NS-Politik den Autobahnbau für sich.
Wie groß ist das Autobahnnetz heute? 13.000 Kilometer. Neben den Fernstraßen gehören 28.000 Brücken, 550 Tunnel und weitere Infrastrukturbauwerke dazu. Verantwortlich für den Betrieb ist die 2018 gegründete Autobahn GmbH der Bundesrepublik Deutschland.
